Wieder mal angefickt...

Da bittet Dich Dein Chef, in Deinem Urlaub ein Projekt für ihn zu erledigen...

Du freust Dich angesichts des Dir entgegengebrachten Vertrauens, voll motiviert läßt Du alles stehen und liegen, kniest Dich tierisch rein und investierst ein reichliches Drittel Deines Urlaubes.
Nach dem Urlaub gehts ungebremst weiter. Die Terminvorgaben sind zwar eigentlich nicht realisierbar, Deinem direkten Vorgesetzten ist der daraus resultierende Druck irgendwie egal (is ja nich seiner) und trotzdem schaffst Du es. Du hast (nicht nur subjektiv) gute Arbeit abgeliefert, weit mehr geleistet als eigentlich drin war!

Aber, Dein Chef änderte noch kurzfristig einige Parameter...
Andere Beteiligte halten diverse Zusagen nicht ein und Du fehlst (unverschuldet) im entscheidenden Moment, um die Probleme vor Ort zu erkennen und zu korrigieren, weil Du zu der Zeit noch auf einer anderen "Baustelle" kämpfen mußt.

Was passiert? Du bist Schuld! Deine Arbeit war ungenügend! Nicht der unrealistische Zeitplan und auch nicht die chaotischen Umstände (für die niemand etwas konnte). Du ganz allein!

Das ist Motivation pur! Manchmal frage ich mich, warum ich mir das noch antue?! Warum steh ich früh eigentlich noch auf? Wegen der 1050,- Steine im Monat, gerade mal lächerliche 200,- Ocken über der relativen Armutsgrenze, einem Verdienst der mal locker bei der Hälfte der in den alten Bundesländern gezahlten Beträge liegt? Da bekomm ich doch kaum weniger Harz-IV?
Früher war es ein gutes Arbeitsklima und Identifikation mit der Firmenphilosophie, also eine ordentliche Portion Idealismus. Nur ist von den Grundlagen dieses Idealismus nicht mehr viel existent.
Das Arbeitsklima läßt aufgrund dauernder Unterbesetzung, einem sozial inkompetenten Vorgesetzten sowie Reibereien infolge hektikverursachter Probleme zu wünschen übrig und die Firmenphilosophie hat umfeldbedingt eine Richtung eingeschlagen, die äußerst gewöhnungsbedürftig ist.

Ich hab keine Lust, mich vom Kunden als Blödmann, Arsch oder Lügner betiteln lassen zu müßen und dann 'nen Anschiss abzufangen, wenn ich ihm seine Grenzen aufzeige. Ja, das gibts! Bei uns hat König Kunde immer recht, ganz besonders wenn er sich wie die Axt im Wald benimmt. Gibts Ärger, ist grundsätzlich der Mitarbeiter dran, nie das Arschloch vor dem Tresen! Da kannst du 500 Kunden super bedienen, dutzende Euro Trinkgelder abfassen - ein einziger Kunde der sich zu Unrecht beschwert, reicht aus, um deine Arbeit mieszumachen. Arschkriecherei nannte man das frueher, heute heißt es Deeskalationsstrategie.


Aber zu Zeiten der Prekarisierung ist vieles möglich. Die Prekarisierung von Leben und Arbeit, der Anfang des Verelendungsprozesses (Ja, Marx hatte Recht!) ermöglicht es, mit Mitarbeitern so umzuspringen.
Na und, wenns dem nicht passt, es warten genug andere auf dem Arbeitsmarkt. Ellenbogen regieren die Welt, Gegeneinander statt Miteinander; Ausbeuten, Entmenschlichen und Wegwerfen wer sich dagegen wehrt! Die soziale Verantwortung des Kapitals wird immer mehr durch Profitmaximierung auf Kosten des Einzelnen und der Allgemeinheit ersetzt.
Auch wenn es wie in diesem Fall nur ein Einzelner dieser von Ehrgeiz zerfressenen Möchtegernmanager ist; er reicht, um das Arbeitsklima einer ganzen Firma nachhaltig zu vergiften...

Wenn ich dann meinen Rentenbescheid durchblättere und mir die Zeile "...wenn sie bis zum Eintritt ihres Rentenalters weiterhin ein Gehalt in dieser Höhe verdienen, beträgt ihre voraussichtliche Rentenhöhe ca. 519,- EUR..." überdenke, sollte ich an meinem Leben doch bald was ändern. 519,- EUR? Ach ja, man soll ja heutzutage privat vorsorgen. Nur wovon denn bitte? Entweder ich kann heute nicht leben oder eben erst als Rentner. Super!

Und dafür soll ich jeden Tag antreten, Streß bis zum Abwinken aushalten und nicht mal ein "Dankeschön" bekommen? Na, so blöd bin ich nun auch wieder nicht. Wie der letzte sächsische König schon bei seiner Abdankung sagte: "Macht doch euern Scheiß alleene"...

pharao

PS: Wer also einen Netzwerkadministrator (vorzugsweise Windoze) mit jahrelanger Leitungserfahrung im Bereich Technik sowie Service & Reklamation sucht (Abitur/Fachschulstudium/Fahrerlaubnis vorhanden), der kann sich ab sofort hier melden. Gehaltsvorstellung ab 35.000/Jahr je nach Arbeitsaufgabe...

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Kommentare

Geschrieben von FreddyKrueger  
am 20. September 2006, 19:19
Warum schmeisst Du nicht einfach hin unter den Umständen? Jammern hilft sicher nicht weiter?

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Geschrieben von Pharao  
am 21. September 2006, 02:35
Weil das so einfach auch wieder nicht ist?!

Zum ersten hängt man nach knapp 9! Jahren an einer Firma, in der man der allererste! Mitarbeiter war und wo man quasi die Grundeinrichtung mit reingeschoben hat. Mit einigen der Leute da hab ich vorher sogar schon paar Jährchen zusammengearbeitet, da bilden sich einfach zwangsläufig zwischenmenschliche Beziehungen heraus, die man nicht gerne aufgibt...
Desweiteren mag ich unseren Chef eigentlich. Im Prinzip ist der in Ordnung, nur hat er momentan offensichtlich viel zu viel gleichzeitig um die Ohren, was ihn wohl gelegentlich aus Frust überreagieren lässt und zudem dazu führt, das er das/mein/unser ursächliches Problem aus dem Auge verloren hat (ich bin nämlich nicht der einzige Frustrierte).
Das Hauptproblem ist ein (über)ehrgeiziger Abteilungsleiter, so ein Möchtegern-BWL'er, der gerne geschmacklose Sprüche klopft, imho bar jeder sozialen Kompetenz den Leuten mehr abverlangt, als sie auf Dauer in der Lage sind zu leisten und der damit nur durchkommt, weil erstens die Ergebnisse für ihn sprechen (na logisch), sich zweitens keiner dagegen wehrt und unser Chef offenbar keine Zeit hat, sich dessen anzunehmen. Kritik an Sachverhalten oder seiner Arbeit mit Hinweisen auf die "Situation am Arbeitsmarkt" zu kommentieren finde ich einfach abartig (auch wenn er das mit mir persönlich noch nicht gemacht hat).
Prinzipiell hab ich kein Problem, für die Kohle die ich bekomme zu arbeiten, das ist nunmal im Osten so und in den letzten Jahre hatte ich auch nicht mehr. Nur erwarte ich dafür auch mal eine Anerkennung _und_ dafür, meine Arbeitszeit im Laufschritt zu absolvieren (und das war in der Vergangenheit durchaus nicht selten der Fall), isses dann doch in der Tat etwas zu wenig...

Das wichtigste ist: Man muß gerne auf Arbeit gehen und nicht nur um Geld zu verdienen, sonst machts irgendwie keinen Sinn und genau dieses "gerne gehen" und "Spaß dran haben", das fehlt im Moment. Naja, Loyalität und Idealismus scheint heutzutage eh keiner mehr zu schätzen. Überall Schubserei und Restriktionen, Überregulierung und Anscheissereien und dann wundert man sich, wenns nicht funktioniert. Logisch, wenn viele Leute heutzutage nur von der Gravitation an ihrem Arbeitsplatz gehalten werden. Aber genau das isses, was ich nicht will. Ich bin eben noch Idealist.

pharao


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