Pecunio non olet...

Der römische Kaiser Vespasian, im Jahre 9 u.Z. als Sohn eines Zollbeamten und Bankiers (!) geboren, sah sich während seiner Regierungszeit mit einer verheerenden Finanzkrise konfrontiert. Mit immer neuen Steuern und Abgaben versuchte er, die Zustände wieder in den Griff zu bekommen. Eines Tages kam er dann auf die Idee, eine Steuer auf Urin einzufordern. Von seinem Sohn Titus deswegen zur Rede gestellt, hielt ihm Vespasian einige Geldstücke vor die Nase und fragte, ob ihm der Geruch unangenehm sei. Als Titus verneinte, sagte Vespasian darauf: "Und doch ist dieses Geld aus Urin...". Später wurde daraus das Sprichwort "Pecunia non olet" ("Geld stinkt nicht"), was seitdem als Synonym für den unrechtmäßigen und unmoralischen Erwerb von Geld steht...

Soweit sogut, warum erzähle ich das eigentlich? Nun ja, heute morgen hat mir ein kleiner Presseartikel den Appetit verschlagen, mich mit offenem Mund fassungslos vor der Mattscheibe sitzen lassen und ich frage mich seitdem (wieder einmal), wo wir denn eigentlich leben...


QUOTE:

Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) versucht mit hohem Aufwand, Altschulden einzutreiben...

¤ 4291,53 hatte beispielsweise der Großvater eines Betroffenen 1920 aufgenommen, um in der Nähe von Pirna einen Gutshof betreiben zu können. 1953 konnte die Familie nicht das Abgabesoll erfüllen, sollte verhaftet werden und flüchtete. Die Familie wurde enteignet, der Hof und das Land in eine LPG überführt. Seitdem haben andere dort gelebt und den Hof bewirtschaftet. Das Gut erhielt die Familie nicht zurück, die neuen Bewohner hatten sich in das Grundbuch eintragen lassen. Dennoch verlangt die KfW mit Schreiben vom 6. Juni dieses Jahres die Schulden aus dem Jahr 1920 zurück. Die Familie fühlt sich deshalb dreifach enteignet: erst durch die DDR, dann durch die Gerichte, die das Elternhaus absprachen, und dann durch die Forderungen der KfW.

Andere traf die Post der KfW noch unvorbereiteter, denn sie wussten von keinen Schulden. So eine Unternehmerin aus Mecklenburg- Vorpommern. Sie war vor dem Antrag auf Rückübertragung des Grundstücks extra ins Grundbuchamt gefahren. Dort waren keine Belastungen eingetragen. Da in der DDR Volkseigentum grundsätzlich nicht belastet sein durfte, wurden die Eintragungen zwar im Grundbuch gelöscht; in den Büchern der Staatsbank hingegen schlummerten die Schulden weiter. 13 000 Reichsmark hatte sich einmal ihr Großvater geliehen für seinen Bauernhof. Stets zahlte er pünktlich seine Raten. Und er wollte auch weiter zahlen. Doch auch diese Familie wurde enteignet und vertrieben. Deshalb hätte sie eigentlich gern ein Gegenrechnung aufgemacht für die Zeit, in der andere auf dem Hof gewirtschaftet haben und so einfach die Schulden hätten abtragen können. Doch dieses Argument ließ die KfW nicht gelten...


Diese Geschichte muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen...
Gibt in diesem Land, in diesem System eigentlich überhaupt noch Moral, Anstand, Gerechtigkeitsempfinden oder gar Rechtsstaatlichkeit? Merken sich diese Leute überhaupt noch ein Stück weit, ist denen gar nichts mehr peinlich, wenn es darum geht das Volk noch weiter zu melken???

Wer den kompletten Artikel lesen möchte, der kann das hier tun:

Telepolis: Die KfW und die Schulden aus der Kaiserzeit

pharao

Seite :  1